Vereinsprofil

Mit der Gründung des Vereins zur Förderung wahrnehmungsgestörter Kinder e.V. im Dezember 1992 konnte eine Versorgungslücke geschlossen werden.
Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt und bemüht sich um Integration wahrnehmungsverarbeitungsgestörter Kinder in allen Lebensbereichen. Wahrnehmungs/ Informationsverarbeitungsstörungen - wie z. B. Aufmerksamkeits- Konzentrationsstörungen mit und ohne Hyperaktivität, taktil- kinästhetische (er-fassen/ be-greifen), auditive (hören und verstehen) oder visuelle (sehen und erkennen) Wahrnehmungs- Verarbeitungsstörungen - führen schon in früher Kindheit zu erheblicher Desintegration in Krabbelgruppen oder Kindergärten. In der Schule stellen sie sich dann als Teilleistungsstörungen im Lern- und Leistungsbereich dar. Darunter fallen Schwächen/ Störungen wie Legasthenie (Lese- Rechtschreibstörung) oder Dyskalkulie (Rechenstörung) auch ADHD +/-, aber auch Verhaltensauffälligkeiten. Diese können in der schulischen Phase zu extremen neurotischen Sekundärsymptomatiken führen, die den gesamten weiteren Lebens- und Entwicklungsweg eines Kindes entsprechend negativ beeinflussen. Um in diesem komplexen Bereich Hilfe zu leisten, hat der Verein seit seiner Gründung umfangreiche Projekte ins Leben gerufen und realisiert, die im Folgenden genannt sind:

  1. Einrichtung und Aufbau eines Kinderzentrum als Kooperationsprojekt
  2. Seit 1995 besteht eine der herausragendsten Aufbauleistungen des Vereins in der Kooperation: Im fest etablierten Kinderzentrum sind Kinder- und JugendpsychotherapeutInnen, Sonder- und HeilpädagogInnen, MusiktherapeutInnen, LerntherapeutInnen und MotopädInnen tätig, die verschiedene Therapieformen in unterschiedlichster Zusammensetzung anbieten:
    Therapievorbereitende Maßnahmen – wie Beratung, Diagnostik und Elterngespräche - werden im Zentrum angeboten und durchgeführt.

     

  3. Symposien
  4. Mehr zu unseren Symposien erfahren unter dem Menüpunkt Veranstaltungen --> Symposien.

     

  5. Fort- und Weiterbildungsangebote
  6. Mehr zu unseren Fort- und Weiterbildungsprogrammen erfahren unter dem Menüpunkt Veranstaltungen.

     

  7. Schulvorbereitende Fördergruppen
  8. Seit Februar 1994 unterhält der Verein in enger Zusammenarbeit mit dem Heilpädagogischen Institut, Frau Dr. Milz, eine schulvorbereitende und schulbegleitende Fördergruppe. Hier werden Konzeptionen aus den therapeutischen Bereichen in schulische Lernkonzepte umgesetzt. Diese einzigartige Förderung ermöglicht den Kindern mit Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen ein Lernen durch konkretes Handeln mit dem Ziel, so ihre Defizite zu kompensieren. Diese Projekt ist seit 1998 abgeschlossen. Es wurde die Marianne Frostig Schule für Kinder mit besonderen Bedürfnissen in Offenbach gegründet.

     

  9. Beantragung einer Privatschule mit staatlicher Anerkennung für wahrnehmungsverarbeitungsgestörte Kinder
  10. Die Not im Schulbereich für wahrnehmungsverarbeitungsgestörte Kinder ist sehr groß. Die Kinder werden überall untergebracht und betreut, aber nirgends wird man ihren Bedürfnissen so richtig gerecht. Aufgrund von langjährigen pädagogischen und heilpädagogischen Erfahrungen hat eine Arbeitsgruppe des Vereins ein pädagogisches Lernkonzept entwickelt, mit dessen Hilfe den Kindern eine spätere gesellschaftliche Integration ermöglicht werden soll. Dieses Projekt ist noch nicht abgeschlossen, da es eines erheblichen finanziellen Aufwands bedarf. Wir hoffen, hier in der nächsten Zeit ein großes Stück voranzukommen.

     

  11. Modellversuch
  12. Ein Modellversuch (seit 1992) für auditiv- wahrnehmungsverarbeitungsgestörte Kinder an der Johannes- Vatter- Schule in Friedberg war von unserem Verein vorbereitet und von der Bund- Länder- Kommission genehmigt worden. Es galt hier die halbe Stelle einer Motopädin zu finanzieren, um so im Modellversuch ein Unterrichtskonzept für auditiv- wahrnehmungsverarbeitungsgestörte Kinder anzubieten. Dieses vom Verein entwickelte Konzept sollte auch auf andere Schulformen übertragbar sein. Bedauerlicherweise mußte dieses Projekt in Ermangelung von Bundesressourcen wieder aufgegeben werden.

    Die Johannes– Vatter- Schule hat die Initiative weitergeführt und in ihr Schulprogramm übernommen. Heute bestehen dort sogenannte "ZAK"- Klassen, d.h., Klassen für Kinder mit einer zentral- auditiven Verarbeitungsstörung – was einmalig für Hessen ist.

     

  13. Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft Wahrnehmungsförderung im Staatlichen Schulamt und Hessischen Lehrerfortbildungsinstitut
  14. Dieses, seit 1996 bestehende, Projekt stellt eine Anlaufstelle im staatlichen Schulamt dar. Es hilft sowohl Eltern mit wahrnehmungsverarbeitungsgestörten Kindern bei der Eingliederung in entsprechende Schulen und bei Therapiemöglichkeiten, als auch den Pädagogen. Dazu gehört u. a. die Einplanung von Tutorenlehrern an jeder Regelschule. Ein umfangreiches Fortbildungsprogramm wurde hier in Kooperation mit dem Hessischen Lehrerfortbildungsinstitut angeboten. Ziel ist die Erhöhung des Wissensschatzes und der Sensibilität der Grundschullehrer in diesem Bereich. Leider ist dies Arbeitsgruppe massiv in seiner Arbeit gefährdet, da das Kultusministerium alle Gelder für Prävention gestrichen hat – es werden nur noch 3 Projekte finanziert: Computer an Schulen, Förder- und Beratungszentren und Migranten.

     

  15. Einrichtung von Fördergruppen für wahrnehmungsverarbeitungsgestörte Kinder zusammen mit dem TSV 1875 Bonames e.V. und der August- Jaspert- Schule (Grundschule) im Frankfurter Stadtteil Bonames
  16. Die für den sozial problematischen Stadtteil Bonames zuständige Grundschule bemängelte die therapeutischen Versorgung und beklagte die Schwierigkeit, dringend notwendige motopädische Therapiemaßnahmen für wahrnehmungsverarbeitungsgestörte Kinder zu finden. Hier ist der Verein initiativ geworden und hat gemeinsam mit dem Sportverein und dem Hessischem Sportbund ein Modell entwickelt, das es ermöglicht, mit Unterstützung einer eigens dafür engagierten Motologin, Hilfe für wahrnehmungsverarbeitungsgestörte Kinder in integrativer Form anzubieten. Dieses Modell hat sich hervorragend etabliert und läuft in wöchentlichem Rhythmus (seit 1994).

     

  17. Durchführung von Veranstaltungen für Schulärzte und Schulpsychologen in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Frauen, Umwelt und Gesundheit (seit 1997)
  18. Die Not der Schulärzte in der Kürze der Zeit (nur 17 Min pro Kind!) entscheiden zu müssen, ob ein Kind schulreif ist oder nicht, hat uns in den letzten Jahren dazu veranlasst, zwei große Veranstaltung durchzuführen. Die geladenen Referenten entwickelten Screeningverfahren (Kurzzeitverfahren, Durchführungsdauer 10– 15 Min.), die genau auf diese Probleme zugeschnitten sind. Trotz allem gibt es aber immer noch einen hohen Prozentsatz an Kindern, die eingeschult werden, obwohl sie nicht geeignet sind. Dies hat, wie Langzeituntersuchungen gezeigt haben, gravierende negative Auswirkungen auf das weitere Lernleben und den Erfolg/ Mißerfolg im Beruf. Hier tut weitere Hilfe Not.

     

  19. Hilfestellung für Kinder mit Aufmerksamkeits-/ Konzentrationsstörungen (ADHD +/-)
  20. Die Diskussion über Kinder mit dem Hyperkinetischem Syndrom oder ADD oder ADS oder ADHD (was alles das Gleiche bedeutet) ist über die letzten 10- 15 Jahre immer mehr in die Öffentlichkeit gerückt. Zu diesem Themenkomplex - der zu unserer Arbeit gehört, schließlich sind immer ein oder mehrere Sinnesbereiche betroffen - wurde viel Unsinn und Unwissenschaftliches geschrieben, gesagt und publiziert. Deshalb sahen wir uns 1997 gezwungen, intensiver in diese Thematik einzusteigen. Wir arbeiten mit 7 anderen Selbsthilfeverbänden an der Gründung eines Dachverbandes Aufmerksamkeitsstörung, um hier die politischen wie pädagogischen Notwendigkeiten zu manifestieren und die Kräfte für eine effektive polische Arbeit zu bündeln. Es soll ein Netzwerk für Betroffene geschaffen werden, dass Informationen über Diagnose, Therapieeinrichtungen und Ärzte, Schulen, Selbsthilfegruppen etc. bereitstellt. Hierbei ist die europäische wie internationale Zusammenarbeit mit anderen nationalen Verbänden von ganz besonderer Bedeutung, da sich das Problem weltweit darstellt.

     

  21. Die neue "Wahr- Nehmen" – gemeinsame Zeitschrift des Vereins zur Förderung wahrnehmungsgestörter Kinder e.V., des KidZ- Frankfut und des Regenbogen e.V.
  22. Seit 2002 haben wir ein gemeinsames Verbandorgan, die Zeitschrift "Wahr- Nehmen" mit dem Regenbogen e.V. Hiermit eröffnet sich uns die Möglichkeit Beiträge und Hinweise zum Themenbereich Wahrnehmungs-/ Informationsverarbeitung zu veröffentlichen, auf wichtige Veranstaltungen oder gesetzliche Möglichkeiten hinzuweisen. Es ist eine Erweiterung unseres Angebots für unsere Mitglieder.

 

Mit den vorgenannten Projekten sind nur einige der Schwerpunkte genannt, die sich der Verein gesetzt hat. Die zumeist ehrenamtlich tätigen, aktiven Mitglieder bewältigen noch unzählige andere Aufgabenstellungen. Sie widmen somit Ihre Zeit und Ihre Kreativität für die Sache wahrnehmungsverarbeitungsgestörter Kinder.

 

Ehrenvorsitzende unseres Vereins sind Prof. Kiphard und Prof. Neuhäuser, die unsere Arbeit inhaltlich und konzeptionell unterstützen.

 

Esther Rohde- Köttelwesch

Vorsitzende

Frankfurt, August 2002